Donald Trump Präsident – wie reagiert die Börse?

Donald Trump Präsident – wie reagiert die Börse?

Der Mann, der für Europäer kaum wählbar erscheint, gewinnt immer mehr an Zuspruch bei den US Bürgern und feiert einen Vorwahlsieg nach dem anderen. Mit jedem weiteren Bundesstaat und Medienbericht scheint der Immobilienmilliardär trotz seiner Pöbeleien gegen Mexikaner, Frauen, Muslime und den Pabst mit seinen simplen markigen Sprüchen bei vielen Wählern anzukommen. Auch der Supertuesday, bei dem gleich in mehreren US- Bundesstaaten die Vorwahlen abliefen, hat zwar seine Kontrahenten aus der republikanischen Partei noch nicht aus dem Rennen befördert, aber es verdichtet sich immer mehr die Wahrscheinlichkeit, dass Donald Trump als Präsidentschaftskandidat für die Republikaner nominiert werden wird.

Selbst wenn es derzeit noch schwer vorstellbar erscheint, dass man mit Populismus auf unterstem Niveau eine Präsidentschaftswahl gewinnen kann, so verzweifeln Trumps Gegenkandidaten doch an seiner Wahlkampfrhetorik. Gerade weil viele den politisch unerfahrenen Trump zu Beginn des Vorwahlkampfs unterschätzt haben, stellt sich für Anleger die durchaus berechtigte Frage, was wäre, wenn er die Wahl gewinnt und zum nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten wird? Wenn der am 20. Januar 2017 vereidigte Präsident tatsächlich Trump hieße, welchen Einfluss werden dessen erste und folgenden Amtshandlungen dann auf die Kapitalmärkte haben?

Wie konkret die Umsetzung des Plans „make America great again“ aussieht, hat der Immobilienmogul noch nicht näher spezifiziert. Aber anhand einiger Wahlkampfaussagen lässt sich zumindest darauf schließen, dass er ein stärkeres Engagement im Kampf gegen den IS in Syrien befürwortet. Wie auch immer das im Detail aussehen mag, so ist jedoch eines sicher: Dies wird nicht ohne viele weitere Dollars geschehen können. Die Staatsverschuldung der USA beträgt aktuell knapp 19,5 Billionen USD, eine Zahl mit gewaltig vielen Nullen. In der Vergangenheit haben sich US-Politiker meist wenig darum geschert, dass die Verschuldung stetig weiter stieg und derzeit bereits 105% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmacht. Die USA stehen damit auf einem Niveau mit Irland und Zypern, die in der Eurozone in Relation zur Wirtschaftsleistung ebenfalls als stark verschuldet gelten. Man könnte meinen, die größte Wirtschaftsmacht der Welt hat also keine Probleme mit neuen Schulden, wenn die eigene Zentralbank FED den größten Teil davon beständig aufkauft und auf die eigene Bilanz nimmt. Dennoch bereitet der in letzter Zeit erstarkte US-Dollar den US-Exportfirmen zunehmend Probleme. Eine Parität zum Euro wird nicht mehr ausgeschlossen, da die EZB ihr Inflationsziel aktuell nicht im Mindesten erreicht und die Eurozone knapp vor der Deflation steht. In Erwartung weiterer Maßnahmen der europäischen Zentralbank sowie anhaltend niedriger Leitzinsen in der Eurozone wird der Spielraum für den zukünftigen US-Präsidenten nicht gerade größer werden. Die erste Zinserhöhung hat die Federal Reserve bereits im Dezember 2015 eingeleitet und im Ausblick weitere noch folgende Erhöhungen angedeutet. Auch wenn die Leizinsen in den USA aktuell auf weiterhin historisch niedrigen 0,25-0,5% stehen, so werden bei steigender Kerninflation (ohne Nahrung und Energierohstoffe), welche sich bereits abzeichnet, weitere Zinserhöhungen nicht ausbleiben, um das Inflationsziel von 2% zu halten. Jeder Basispunkt (0,01%) mehr an Zins bedeutet über kurz oder lang eine Mehrbelastung der Staatsfinanzen von 2 Millionen USD und auch die stark verschuldeten Privathaushalte wären direkt davon betroffen mit entsprechenden Auswirkungen für Kreditkartengesellschaften und den Einzelhandel.

Trump-2-2Der niedrige Ölpreis mag zwar zu einer willkommenen Wirtschaftsbelebung führen, da er den Konsumenten mehr Geld für andere Dinge in der Tasche lässt, aber gerade die US- Frackingfirmen bekommen mittel- bis langfristig gewaltige Probleme, wenn ihre Förderkosten höher sind als die Erlöse. Und hinter jenen Firmen stehen die Geldgeber, meist Risikokapitalgesellschaften und US-Banken, die, in Erwartung zukünftig steigender oder zumindest stabiler Ölpreise, den Unternehmen bereitwillig Geld für hohe Zinsen geliehen haben. Wie wir wissen kam alles ganz anders, weshalb ein zukünftiger Donald Trump als Präsident mit Sicherheit darauf hinwirken wird, dass dieser Zustand nicht allzu lange anhält. Vor seinen Wählern gibt er sich als Putinversteher und kündigt an, mit dem Erzfeind Russland reden zu wollen. Der Schachzug ist äußerst klug, auch wenn die Beziehungen zu Russland mit Sicherheit nicht die allerbesten sind, seit der NSA Whistleblower Edward Snowden dort Unterschlupf gefunden hat. So können zwei große Öl- und Gasförderländer, die nicht Teil des Kartells OPEC sind, ihre Planungen in dieser Hinsicht abstimmen und damit maßgeblich den Preis mit beeinflussen. Schließlich sind die USA in den letzten Jahren vom Ölimporteur zum Ölexporteur geworden aber die Überproduktion ist gigantisch und die Lager sind weltweit zum Bersten gefüllt. Dennoch will niemand der Erste sein, der die Förderung kürzt, um keine Marktanteile an die Konkurrenten zu verlieren.

Die Kosten für den Mauerbau an der Grenze zu Mexiko, welche Trump sowieso dem mexikanischen Staat auflasten will (wie auch immer das geschehen soll), sind also bei Weitem nicht die größte Herausforderung für den eventuellen Präsidenten in spe. Aber auch ein demokratischer Präsident oder eine Präsidentin stünde vor großen Herausforderungen in Anbetracht der vor sich hin marodierenden Infrastruktur wie Straßen, Brücken, Tunnel und Schulen. Wie Bill Clintons Wahlkampfleiter bereits in den 90er Jahren erkannte, „it’s the economy, stupid“, ist es die Lage der US-Wirtschaft an welcher der zukünftige US-Präsident seine Politik auszurichten hat.

Kommentar (1)

  • CS

    Hallo Pascal,

    ich würde auch Trump wählen, nur um zu zeigen, dass Politiker nicht mehr gebraucht werden, sondern ehrliche Betrüger sind 🙂

    LG

    cs

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